Malteser

Interview von Cathrin Birnstengel von der Malteser Akademie mit Martin Uhl zum Thema „Führen in Krisensituationen“ vom 23.4.2020 (intern veröffentlicht).

Was ändert sich gerade für Führungskräfte in der Corona Krise?

Die Führungskraft steht momentan im Fokus wie noch nie zuvor, sie muss existenzielle Entscheidungen treffen. Es geht darum eine gesunde Balance zwischen persönlicher Freiheit, der Gesundheit von Mitarbeitenden und Kunden sowie familiären Belangen zu finden. Alle Augen sind auf die Führungskraft gerichtet. Wie werden gesetzliche Vorgaben umgesetzt? Wie erhält die Führungskraft die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden und bedient gleichzeitig die Kunden? Zudem muss sie sich in der Krise an vielen Stellen neu orientieren, das Angebot neu ausrichten, eine neue Vision entwickeln und die Mitarbeitenden auf diese Reise mitnehmen. Dabei schauen  die Mitarbeitenden auf die Führungskraft und orientieren sich an ihr. Das macht diese Zeit für sie so anspruchsvoll und gleichzeitig so spannend.

Ändert sich Führung gerade? Müssen Führungskräfte anders handeln?

Es ist noch wichtiger „gut“ zu führen.  In Krisenzeiten ist es  von großer Bedeutung sich als Führungskraft zu reflektieren, die eigene  Führungsrolle  zu definieren und sich darüber mit anderen Führungskräften oder sich mit einer vertrauten Person, sei es Mentor, Vorgesetzter oder Coach, dazu auszutauschen. Was passt zu mir und gleichzeitig zu der jeweiligen Führungssituation? Es gibt keine einfachen Antworten auf die schwierigen Fragen, die uns aktuell gestellt werden.

 Welche Tipps gibt es für Führungskräfte? Was sollten Sie beachten in der Führung? Wie können Sie auch gesund bleiben?

Tipps damit kommen Sie gut durch die Krise

  1. Die Führungskräfte sollten für sich selbst sorgen.
    Denn nur wenn es Ihnen selbst gut geht, können Sie die Leistung erbringen, die gerade von Ihnen verlangt wird und die wichtig ist, damit ihr Team gesund bleibt und die Kunden betreut werden. Das Thema Grenzen setzen ist dabei sehr wichtig. Gerade im Homeoffice verändern sich die Grenzen und Strukturen  von Arbeit. Es ist für Führungskräfte wichtig, klar zu machen, dass Sie für Ihre Mitarbeitende da sind, aber dass es  dabei zeitliche Grenzen gibt und auch die Führungskraft z.B. eine begrenzte Arbeitszeit mit bestimmten Zeiten der Erreichbarkeit hat. Nur so kann die eigene Erholung sichergestellt werden und die Führungskraft geht nicht selbst in die Überlastung.

 

  1. Mitarbeitenden gut zu zuhören ist wichtig.
    Vor allem weil gerade viele Ängste im Raum stehen. Mitarbeitende sollten sich wahrgenommen und nicht allein gelassen fühlen. Gleichzeitig ist es wichtig die Mitarbeitenden aufzurufen Ideen zu entwickeln. Führungsaufgaben, die delegierbar sind können z.B. an die Mitarbeitenden delegiert werden. So werden die Mitarbeitenden mit in die Verantwortung genommen.

 

  1. Die Strategien gemeinsam erarbeiten, die jetzt notwendig sind.
    Und vor allem die Einschnitte gemeinsam planen, damit die Mitarbeitenden mit im Boot sind. Es gibt aktuell Einschnitte in allen Bereichen und die werden sich auch nicht vermeiden lassen, aber es ist wichtig, dass wir diese gemeinsam planen. Alle sollten einen Blick darauf haben, warum brauchen wir die Einschnitte, was bedeuten diese für uns und wir können wir sie so organisieren, dass wir sie gemeinsam tragen können. Es lohnt sich auf den Weg zu machen und gemeinsam gute Lösungen zu finden.

 

  1. Die Hoffnung nicht verlieren.
    Es ist wichtig, dass wir als Führungskräfte insbesondere eine Vision entwickeln, die diese Hoffnung nährt. Das sieht man aktuell an der Debatte „wann wird es denn wieder besser?“, wie sehr die Menschen Hoffnung brauchen. Es ist essentiell für uns Menschen, dass wir Hoffnung haben, diese aufrecht erhalten können und das  trägt uns auch durch die Krise.