soul@work

Im Sommer 2017 erschien der Beitrag „Den ganzen Menschen sehen – Menschengerechtes Arbeiten im Unternehmen der Zukunft“ im dritten soul@work-Sammelband der Herausgeberinnen Katharina Maehrlein und Heidi Lensing. Mitautoren waren u.a. Anselm Grün, Martin Uhl, Thomas Sattelberger und Dr. Ulrich Wiek.

soul@work-Autoren
Foto: Andrea Maxsisch

Den ganzen Menschen sehen – Menschengerechtes Arbeiten im Unternehmen der Zukunft von Martin Uhl

[Auszug]

Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Mit Digitalisierung und Industrie 4.0 schreitet die Automatisierung der Arbeit weiter voran. Viele Mitarbeiter erleben sich nur noch als kleines Rädchen im System, das funktionieren muss. Es gilt, am »Unternehmen der Zukunft« zu arbeiten, das die individuellen Stärken von Mensch und Maschine berücksichtigt und beides miteinander verbindet. Die digitale Revolution wird vor allem dann erfolgreich sein, wenn sie Mitarbeiter und Technologie nicht gegeneinander ausspielt, sondern die individuellen Stärken der Mitarbeiter berücksichtigt.

Industrialisierung, Automatisierung und Digitalisierung haben dafür gesorgt, dass die Interaktion zwischen Mensch und Maschine in das Arbeitsleben hochgradig integriert ist. In der Produktion ist der Mensch oft Helfer der Maschine. Er wird gebraucht, wenn die Maschine stockt, und sorgt für den reibungslosen Fluss der Erzeugnisse in der Produktionsstraße. Den Arbeitsvorgang erledigt die Maschine weitestgehend autonom. Sie mischt, erhitzt, formt, schweißt und stanzt. Immer hochwertigere Einzelteile entstehen, die zu einem Gesamtprodukt zusammengefügt werden.

In der Verwaltung ist es ähnlich. Hier sitzen Menschen vor Computern, die ihnen Daten und Informationen liefern oder auf Eingaben warten. Die Nutzer geben Daten ein, bekommen Informationen angezeigt, greifen korrigierend ein oder führen Handlungen aus, die ihnen die Datenlage nahelegt. Der Mensch wird zum Teilchen in einem großen und komplexen Gesamtsystem. Die Leistung des Mitarbeiters beschränkt sich auf Dateneingabe, Datenkontrolle, Datenbearbeitung und vorgegebene Handlungen. Der Mensch steht im Wettbewerb mit der Maschine um Effektivität und Effizienz. Funktioniert er nicht mehr ausreichend gut, wird er über kurz oder lang ersetzt. Der Mitarbeiter als Einzelner verliert an Bedeutung. Diese Erfahrung der eigenen Bedeutungslosigkeit lässt Mitarbeiter an sich und ihrem Tun zweifeln. Der eigene Beitrag zum Unternehmenserfolg wird immer unsichtbarer und der gefühlte Handlungsspielraum für eigene Entscheidungen wird immer kleiner. Mitarbeiter, die nicht mehr erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied ausmacht, geraten leicht in Sinnkrisen, kündigen innerlich und sind psychisch belastet.

Um langfristig erfolgreich zu sein, ist beides wichtig: ein hoher Grad an Automatisierung und Effizienz sowie Mitarbeiter, die selbstständig Entscheidungen treffen und das Unternehmen zu etwas Einzigartigem und Besonderem machen. Eine Maschine zeichnet sich durch hohe Zuverlässigkeit, Standardisierung, Verfügbarkeit und Arbeitsgeschwindigkeit aus. Doch durch was zeichnet sich der Mensch aus? Welche Eigenschaften hat er der Maschine voraus? Wie trägt er zum Unternehmenserfolg bestmöglich bei? […]

Rezension Personalmagazin
aus dem Personalmagazin 07/2017